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20. Dezember 2000

 

Hamburg

Meine Stadt

Von
Hauke Brost

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"In" ist zur Zeit: Glühwein trinken im "Skipper" am Kaltehofe Hinterdeich, Wassertreppe 12. Aber jetzt erreichte mich ein Brief vom Campingplatz an der Lühesander Süderelbe. Auch dort kann man mit dem Boot anlegen! Interessierte schauen mal ins Net:
www.luehesand.de - lohnt sich.
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DAT OLE LAND

DIE MONATSZEITUNG FÜR DAS ALTE LAND

JAHRGANG 24

AUGUST 2000

'Fiete meldet die roten Spierentonnen und wieder eine Bakentonne. Ob sich das Wasser da wieder gabelt?
Ja, da liegt eine kleine Insel. "Das ist der Lühesand, dahinter wollen wir vor Anker gehen", sagt Jumbo ...
Da rauscht die Kette hinunter und als acht Meter herunter sind, belegt Jumbo an dem Poller. Die anderen nehmen die Segel ab, und nach kurzer Zeit schwoit das Schiff herum ...
Wie still es hier ist!'

Lühesand - eine der kleinen Inseln in unserem Abschnitt der Elbe, auf der schon so mancher Erwachsene einen erholsamen Inselurlaub verlebt hat - fernab von überfüllten Flughäfen und überbuchten Hotelburgen auf Mallorca, Gran Canaria und Co.
Lühesand - eine der kleinen Elbinseln, auf der so manches Kind einen fantastischen Abenteuerurlaub erlebt hat - fernab von Schule, Computer und Co.
Wie auch schon 'Die Jungs von Lühesand' in der gleichnamigen Segelgeschichte von Werner Demuth ihre Liebe zu Lühesand entdecken, genauso ergeht es auch heute noch Jahr für Jahr vielen Besuchern, die dieses Eiland neu oder wieder entdecken.
"Man kommt auf diese Insel und liebt sie - oder eben nicht.
Für uns ist sie auf jeden fall das Paradies", erklärt uns eine Insulanerin wohl stellvertretend für all diejenigen, die einmal hierher gekommen sind und es seit dem immer wieder tun.

"Hier ist eigentlich gar nichts los", lautet die Antwort auf die frage einer Unwissenden nach den Attraktionen der Insel, "und gerade das ist das Interessante hier."

'Klaus, Otto und Smutje sind an Bord geblieben, die anderen stromern auf der Insel umher. Viel Weiden wachsen darauf, und am Ufer stehen Sumpfdotterblumen, so hoch, dass sie den Jungen bis an den bauch gehen ...
Herrlich ist es hier! Eine richtige Robinsoninsel, so einsam!'

Sind Sie reif
für die Insel?

Im Sommer haben die Dauercamper kein anderes Hobby außer Lühesand.
"Zu Hause haben wir 80 qm und hier bloß 18 - trotzdem fühlen wir uns hier viel wohler", darin sind sich alle Lühesander einig.
Und einig ist man sich auch darin, dass das Inselleben einfach weitergehen muss.
Denn momentan hängen nicht nur die dunklen 'Sommerwetterwolken' über der Insel, sondern auch die Befürchtung, dass Familie Blohm als Pächter und Betreiber der Insel aufgeben muss.
"Wir brauchen unbedingt eine Fähre, mit der ich auch Wohnmobile auf die Insel bringen kann", erklärt Holger die Misere. "Aber die Auflagen der Behörden sind so streng, dass sie wahrscheinlich nicht erfüllt werden können. Und das würde das 'Aus' für uns bedeuten, da ohne Wohnmobilgäste die Situation wirtschaftlich nicht länger tragbar wäre."
Kein Abenteuer, keine Freiheit, keine Erholung und keine große Insel-Familie mehr? Für die Lühesand-Insulaner wäre das sehr traurig, doch noch haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben. Denn Ferien und Wochenenden ohne Lühesand wären doch rein gar nichts. Das wussten schließlich schon die 'Jungs vom Lühesand'.

'Am Nachmittag liegt die gesamte Störtebeker Mannschaft am Strande und sonnt sich. "Ich fühle mich richtig in der Sommerfrische!", sagt Smutje. Wir haben jetzt Ferien! Wir faulenzen jetzt! Ach wie ist das schön! Und so beschließen sie, noch einen Tag auf der Robinsoninsel zu bleiben!'

- Saskia Schräger -

1933 baute Opa Heinrich Blohm das erste und einzige Haus auf der Insel und legte damit den Grundstein für da Lühesand, wie wir es heute kennen: Mit Gasthaus, einer kleinen Personenfähre, die auch den Landratten Zugang verschafft, und einen Campingplatz. "Vorher kamen hier nur ein paar Paddler her, dann wurden es immer ein paar Leute mehr", erzählt Petra Blohm, die heute mit ihrem Mann Holger schon in der dritten Blohm'schen Generation für das Wohl der Camper sorgt. Rund 100 Wohnwagenplätze gibt es heute, die fast alle jedes Jahr an die selben Familien vermietet sind.

Holger Blohm, der seinerseits seinen Vater als Pächter der Insel abgelöst hat, schippert Camper und Tagesgäste mit seiner 'Smutje' über die Lühesander Nebenelbe, während Petra in der Blohm'schen Gaststätte für das leibliche Wohl der Gäste sorgt.
"Einmal Durst für Opa und Nachrichten von zu Hause, bitte!", heißt es, wenn ein leerer Kasten Bier gegen einen vollen eingetauscht und die frisch vom Festland eingetroffene Bildzeitung abgeholt wird. beim Einkauf von Getränken, Eis und Naschereien für die Kinder fehlt natürlich auch der Plausch über Wind und Wetter, Land und Leute nicht. Denn schließlich sind die Lühesander wie eine große Familie.
"Etliche Familien konnten schon ihr 50-jähriges Inseljubiläum feiern. heute spielen schon die Kinder der Kinder der Kinder miteinander."
Ob es Nico und Melanie Blohm einmal genauso machen wie Mama Petra und Papa Holger und sich einstige Camper-Kinder zum Mann bzw. zur Frau nehmen bleibt abzuwarten.
Heute werden sie jeden Morgen von Papa aufs Festland gebracht, um dort in den Schulbus zu steigen.

"Und jetzt in den Ferien toben sie den ganzen Tag mit den anderen Kindern über die Insel", freut sich Petra für ihre Kinder, denn aus eigenen Kindheitserfahrungen weiß sie, dass die Wochenenden und Ferien mit ihren Eltern damals auf Lühesand die schönsten waren.
Wo können Kinder sonst noch den ganzen Tag herumlaufen und Abenteuer erleben? Hier gibt es keine Autos, dafür Rehe, Hasen und große Dampfer - das kennen die Kinder von heute doch gar nicht mehr."
Und eine andere Insel-Mutter bringt es noch ganz anders auf den Punkt: "Unsere Insel-Babys werden hier gezeugt und wachsen hier zwischen Sand und Hasenködel auf - die sind einfach viel kerniger als andere Kinder."

'Schon ist es Abend. Aber die Mannschaft des 'Klaus Störtebeker' denkt noch gar nicht ans Schlafengehen. Sie hocken alle zusammen an der Elbseite des Sandes am Strand. Ganz still ist es und man hört nur noch das Ziehen des Stromes...
Ganz dunkel ist es jetzt, und drüben bei Schulau kommt eben der Mond heraus...
Dahinter rechts blinken hell die Feuer, die an der Lühemündung stehen, und ganz links in der Ferne von Wittenbergen. Überall ein Blinken, überall Zeichen, überall, die ganze Nacht...'

"Setzen Sie sich mal hier hin, stellen sich vor, es ist Nacht und sie sehen nur die Sterne und die Lichter der großen Dampfer, haben ein Glas Rotwein in der Hand..."